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In Hessen, sage ich mir jeden Morgen, steht sicher alles in Pracht und Buntheit.

Rainer Maria Rilke

Zwei Raben:

Autorenstipendium im Ubbelohde-Haus

​Der Weg durch die Pyrenäen: ein Weg von innen nach außen


Am 1. November las Marica Bodrožić vor mehr als 50 Besuchern in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Marburg aus ihrem Buch „Die Arbeit der Vögel. Seelenstenogramme“.

Die Autorin ist den Fluchtweg – heute ein ausgeschilderter Wanderweg – Walter Benjamins über die Pyrenäen acht Jahrzehnte später selbst gegangen und nimmt dies zum Anlass, um über Freundschaft, Flucht und Identität nachzudenken. Dabei ist ein vielschichtiges Buch entstanden, indem die äußere Bergwelt mit der inneren Landschaft des Denkens und Fühlens verschmilzt.

Erika Schellenberger moderierte die Lesung und führte nach dem ersten Teil ein interessantes Gespräch mit der Autorin. Bei den Zuhörern kam das gut an, hatte man doch so die Möglichkeit, das soeben Gehörte durch die im Dialog geäußerten zusätzlichen Gedanken und Erläuterungen zu vertiefen.

Dass die Lesung großen Anklang fand, zeigte sich auch an dem regen Besuch des Büchertischs der Buchhandlung Jakobi nach der Veranstaltung.

Herzlichen Dank an die Jüdische Gemeinde Marburg für die Unterstützung, vor allem an Hannelore Orbach. Frau Orbach hat in Vertretung ihres Ehemanns Amnon Orbach, dem Ehrenvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, zu Beginn über die Entstehung und Geschichte der neuen Synagoge in der Liebigstraße informiert, da viele der Anwesenden zum ersten Mal in diesem Gebäude waren.

Literaturhaus unterwegs...: ​Marica Bodrožić liest aus „Die Arbeit der Vögel“



Marica Bodrožić liest am 01. November um 19 Uhr in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Marburg, Liebigstraße 21 a, 35037 Marburg aus „Die Arbeit der Vögel – Seelenstenogramme“ und ist damit zu Gast beim „Literaturhaus unterwegs“ des Vereins „Zwei Raben“.

Mit „Die Arbeit der Vögel – Seelenstenogramme“ ist der Autorin ein vielschichtiges Buch über Erkenntnis und Erfahrung von Flucht gelungen und wie man in Zeiten des Krieges Menschlichkeit erfährt.

Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten gelangt Walter Benjamin im September 1940 auf einem alten Schmugglerpfad vom französischen Grenzort Banyuls-sur-Mer ins nordspanische Portbou. Tags darauf setzt er seinem Leben ein Ende. Acht Jahrzehnte später nimmt Marica Bodrožić den letzten Weg des großen deutschen Schriftstellers und Philosophen zum Anlass, um über unsere Zeit, die Komplexität von Lebensläufen und Identität, Freundschaft und Flucht nachzudenken.

Joachim Dicks (NDR Kultur) schreibt dazu: “Mehr als drei Jahre hat Marica Bodrožić an ihrem Buch "Die Arbeit der Vögel" geschrieben. In diesen Tagen der Veröffentlichung hat es durch den Krieg in der Ukraine eine bedrückende Aktualität bekommen. Der Krieg vertreibt aus den Menschen das Menschliche, macht sie zu reinen Funktionsträgern, zu Nationalisten und Grenzkämpfern. Marica Bodrožić hält dagegen und schreibt an ihrem Plädoyer für das Menschliche fort, das ihr ganzes Werk umspannt.

Marica Bodrožić, geboren 1973 in Dalmatien. 1983 siedelte ihre Familie nach Hessen über. Sie schreibt Gedichte, Romane, Erzählungen und Essays, die in über sechzehn Sprachen übersetzt wurden und unterrichtet seit vielen Jahren literarisches Schreiben. Bodrožić hat für ihr Werk zahlreiche Preise erhalten, darunter den Manès Sperber Preis, den Walter Hasenclever Literaturpreis, den Preis der Ricarda Huch Poetikdozentur für Gender und den Literaturpreis der Konrad Adenauer Stiftung. Marica Bodrožić lebt heute als freie Schriftstellerin in Berlin.

Eine Veranstaltung von Zwei Raben: Literatur in Oberhessen mit der Jüdischen Gemeinde Marburg und Kulturelle Aktion - Strömungen e.V.

Kartenreservierungen und Anmeldung unter: zweiraben@literaturinoberhessen.de

Abendkasse: Eintritt 8,- Euro, ermäßigt 5,- Euro.

Literarische Soirée mit Iris Wolff: Vom Rauschen der Pappeln


In den letzten Jahren hatte der Verein Glück mit dem Wetter und von Beginn war bei allen Veranstaltungen strahlender Sonnenschein ein Programmpunkt. In diesem Jahr sollte es mal anders sein, aber es tat der Lesung und dem Gespräch keinen Abbruch. Gebannt und verzaubert hörten die rund 100 Besuchenden der Moderatorin Erika Schellenberger, die für den erkrankten Thomas Hettche einsprang, und der Autorin zu.

Mit ihrem Buchtitel „Die Unschärfe der Welt“, 2020 mit zahlreichen Preisen bedacht, ist Iris Wolff einem großen Publikum bekannt geworden. „Vor dem Hintergrund der eigenen Familiengeschichte einer deutschsprachigen Minderheit im ehemals kommunistischen Rumänien, verbinden ihre Romane auf virtuose Weise das Dokumentarische mit poetischer Eleganz“, so die Jurybegründung.

Iris Wolff las aus "So tun, als ob es regnet", kein Buchtitel hätte passender sein können an dem Tag. Wolff erläuterte, dass dies ein Sprichwort aus Siebenbürgen sei. Sie habe als Kind immer so getan, als ob sie ihre Mutter nicht höre und musste mehrmals angesprochen werden, damit sie reagierte. Und dies bedeute auch das Sprichwort. In ihrem Roman in vier Erzählungen erzählt sie über vier Generationen des 20. Jahrhunderts und vier Ländergrenzen hinweg, wie historische Ereignisse die Lebenswege von Einzelnen prägen. Zwischen Freiheit und Anpassung, Zufall und freiem Willen erfahren ihre Protagonisten: Es gibt Dinge, die zu uns gehören, ohne dass wir wüssten, woher sie kommen. Und es gibt Entscheidungen, die etwas bedeuten, Wege, die unumkehrbar sind, auch wenn wir nie wissen werden, was von einem Leben und den Generationen vor ihm bleiben wird.

Erika Schellenberger las mit Erlaubnis der Autorin, aus deren Bewerbungsschreiben vor. Da sie in Marburg Kunst und Malerei studiert habe, freue sie sich besonders auf die literarische Auseinandersetzung mit dem hiesigen Maler und mit der wundervollen Landschaft. Dies bestätigte Schellenberger sogleich, denn beim Einzug Wolffs in die Künstlerwohnung habe sie aus dem Fenster geschaut und einfach nur "Wow" gerufen, obwohl es sich nicht um die Alpen oder andere Naturereignisse handelte, sondern schlicht um eine Wiese in Oberhessen.

Die Natur hat auch die vorherigen Stipendiat*innen schon inspiriert. Vor allem das Rauschen der Pappeln, die je nach Wind, ihre eigne Musik spielen, haben es ihr angetan. Einige der Pappeln sind von Otto Ubbelohde selbst noch angepflanzt worden. Wir dürfen gespannt sein, mit welchem Motiv oder Aspekt Ubbelohdes sich Iris Wolff in den nächsten drei Monaten beschäftigt.

Musikalisch wurde die Lesung von Tim Riemenschneider und Band begleitet.

​Literarische Soirée mit Iris Wolff


Literarische Soirée mit Iris Wolf am 17.09.2022 um 16 Uhr im Bienengarten am Otto Ubbelohde-Haus, Otto-Ubbelohde-Weg 30, 35094 Lahntal

Moderiert wird in gewohnt launiger und kenntnisreicher Weise von Thomas Hettche.
Musik: Tim Riemenschneider

Eintritt: frei

Um Anmeldung wird gebeten unter:
zweiraben@literaturinoberhessen.de


Wenn nur das Netz aus Straßen Bedeutung hatte, das
die Landkarte überzog, feine Gitterlinien, die ihn über
Flüsse und Berge trugen – und es war ihm allermal genug,
auch wenn sie ihn noch nie über eine Ländergrenze
hinweg getragen hatten.

Stipendiatin 2022: Iris Wolff, So tun, als ob es regnet.

Literaturhaus unterwegs...: Lesung und Gespräch mit Paul-Henri Campbell


Lesung und Gespräch mit Paul-Henri Campbell und Alissa Walser in der Kirche in Goßfelden.


Literatur unterwegs: Frederik Vahle in Friedelhausen


Der Verein „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“ lud zu einer musikalischen Lesung mit Fredrik Vahle nach Friedelhausen ein. Mit dem Projekt Literaturhaus unterwegs bespielt der Verein verschiedene kulturhistorische Orte in Oberhessen und ermöglicht Begegnungen mit Literatur im ländlichen Raum.

Dr. Erika Schellenberger, Erste Vorsitzende des Vereins, begrüßte das Publikum und den Liedermacher, Autor und Wissenschaftler mit seiner Band. Fredrik Vahle habe Generationen von Kindern und Eltern mit seinen Liedern und Texten begleitet und angeregt, die Welt mit zu gestalten. Für seine Verdienste wurde er unter anderem zum Ehrenbürger von Lollar ernannt und mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Mit Ausschnitten aus seinem Erinnerungsbuch „Schräge Töne, schöne Töne. Erinnerungen und Denkausflüge zwischen Anne Kaffeekanne und Cowboy Jim“, das Fredrik Vahle (s)ein prosaisches Gesangbuch nannte, bot er dem Publikum Rückblicke auf wichtige Stationen in seinem Leben: Kindheit in Stendal, Studium in Gießen, Gründung einer Kommune, Reisen nach Griechenland und Spanien, Gehexperimente, das erste Kinderbuch „Ich erzähle von Pedro“. Den Zuweilen aufkommenden Pathos verstand Vahle mit Tönen, Texten und Liedern zu durchbrechen.

Flöte, Klangschale, Gitarre, Glocke und Stimme Fredrik Vahle wurden von Akkordeon, Gitarre und Gesang seiner Band begleitet. Vorgelesenes, Musik, Lied und freies Sprechen waren an diesem Abend gleich wichtig und wurden um die für den Autor zentralen Begriffe „atmen“, „gehen“ und „beten“ angeordnet, mit denen er einfache und dennoch tiefgründige Botschaften verband.
Vahles Lieder und Rezitationen wie „Atmen heißt lebendig sein“, „Friedensmaler“, Rap „Schön blöd“, „Lied für Orpheus“, „Mein Leben“, das aramäische „Vaterunser“, „Das Lied vom Gähnen“ und „Schnelllied“ als Zugabe begeisterten das Publikum, das buchstäblich mitging. Nach fast dreistündiger bester Unterhaltung stürmten die Besucherinnen den Büchertisch der Buchhandlung Jakobi. Kaltgetränke und der liebevoll zubereitete Imbiss auf der sonnigen Terrasse des Hofcafés (vielen Dank an die Hofgemeinschaft für heilende Arbeit e.V.!) sorgten ebenfalls für gute Stimmung.

Ein schöner, witziger, vielseitiger Abend mit Fredrik Vahle.

Mitreißende Texte von Paul-Henri Campbell


Zum Abschied stellte Paul-Henri Campbell am 8. Juni in der Kirche von Goßfelden vor rund 30 Besuchern und Besucherinnen Auszüge aus seinem während des Stipendiums entstandenen Text vor.

In Kooperation mit der evangelischen Kirche Goßfelden und dem „Förderverein Gemeinschafts- und Kulturzentrum Rossweg e.V.” (Kulturverein Goßfelden) stand die Veranstaltung unter der Überschrift „Literatur im Dorf“. Pfarrerin Sandra Niemann begrüßte die Gäste, und der Ehrenvorsitzende des Kulturvereins, Karl Heinz Görmar, informierte über den Goßfeldener Pfarrer Johann Heinrich Christian Bang und seine Bedeutung im ehemaligen Romantikerkreis um Friedrich Carl von Savigny.

Nach der Vorstellung von Paul-Henri Campbell und Alissa Walser durch die Vorsitzende des Literaturvereins Dr. Erika Schellenberger-Diederich, begann ein abwechslungsreiches Autorengespräch, das Alissa Walser moderierte, und in dessen Verlauf Paul-Henri Campbell seine Prosatexte vortrug. Campbell erzählte darin von den Erlebnissen mit seinem Vater, ein in Deutschland stationierter amerikanischer Soldat, mit dem er in seiner Kindheit und Jugend auf den Straßen um Gießen unterwegs war.

Die Reihenfolge der vorgetragenen Texte ging einher mit der geografischen Annäherung an den Ort seines dreimonatigen Aufenthalts: literarisch gestaltete Momentaufnahmen und Impressionen von Marburg, Goßfelden und der Lahn.

Alissa Walser beleuchtete im Autorengespräch u.a. das Verhältnis zwischen amerikanischer und deutscher Literatur, aber auch das Zusammenleben von amerikanischen Soldatenfamilien mit der deutschen Bevölkerung. Auf die Frage, welche Bedeutung Campbell seinem mehrmonatigen Stipendium beimesse, antwortete er: Ein Stipendium mit einem vergleichsweise kleinen Budget, z.B. gemessen an den Kosten eines Literaturhauses, sei Dank des großen Engagements der Vereinsmitglieder sehr effizient. Für einen Schriftsteller sei es ein Luxus, drei Monate ungestört arbeiten zu können.

Im Anschluss an die Veranstaltung hatten die rund 30 Gäste Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Im benachbarten Bang-Haus waren vom Garten-Team der Otto-Ubbelohde-Stiftung ein leckeres Buffet und Getränke bereitgestellt worden, und der Vorsitzende des Kulturvereins Goßfelden, Gangolf Seitz, sorgte für musikalische Unterhaltung mit flottem Jazz auf dem Flügel.

Paul-Henri Campbell hat seinen Aufenthalt in der Autorenresidenz sehr genossen und viele Kontakte in Goßfelden geknüpft.

Die Texte erscheinen, wie auch die anderen Texte der Stipendiaten und Stipendiatinnen, in einer Anthologie.

Autorenstipendium 2022 an Paul-Henri Campbell und Iris Wolff​ vergeben


Otto-Ubbelohde-Stipendium 2022 des Vereins Zwei Raben: Literatur in Oberhessen an Paul-Henri Campbell und Iris Wolff

Seit 2019 ist das ehemalige Atelier- und Wohnhaus des Malers Otto Ubbelohde in Goßfelden bei Marburg Autorenresidenz. Der Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen vergibt mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Gemeinde Lahntal jährlich zwei dreimonatige Aufenthaltsstipendien, die mit 7.500 Euro dotiert sind und Schriftstellerinnen und Schriftstellern eine großzügige Wohnung mit Blick ins Lahntal zur Verfügung stellen.

In diesem Jahr hat der Verein aus sechzig Bewerbungen Paul-Henri Campbell und Iris Wolff ausgewählt. Der Jury unter dem Vorsitz Thomas Hettches gehörten die Autorin Alissa Walser, der Literaturkritiker Christoph Schröder, Erika Schellenberger, Vorsitzende des Vereins Zwei Raben: Literatur in Oberhessen, und Ludwig Rinn an, Vorsitzender der Otto-Ubbelohde-Stiftung.

Aus der Begründung der Jury:

Der in Boston geborene und bilingual schreibende Paul-Henri Campbell gehört seit seinem Gedichtband "nach den narkosen“ von 2017 zu den interessantesten Stimmen gegenwärtiger Lyrik. Die Themen des herzleidenden Campbell sind Krankheit und Selbstbestimmung, die er in seinen Gedichten und Essays auf beeindruckende Weise in literarische Fragen nach unseren brüchigen Ordnungen von Sprache und Kultur, von Ordnung und Körper übersetzt.

„Die Unschärfe der Welt, 2020 mit zahlreichen Preisen bedacht, hat Iris Wolff einem großen Publikum bekannt gemacht. Vor dem Hintergrund der eigenen Familiengeschichte einer deutschsprachigen Minderheit im ehemals kommunistischen Rumänien, verbinden ihre Romane auf virtuose Weise das Dokumentarische mit poetischer Eleganz.

Paul-Henri Campbell hat als Mitarbeiter des Diözesanmuseums Limburg die Lahn kennengelernt, an der auch das Otto-Ubbelohde-Haus liegt, und möchte sich während seines Stipendiums März – Juni 2022 mit dieser Flusslandschaft in erzählenden Essays auseinandersetzen. Auch Iris Wolff hat einen Bezug zur Region. Nach der Auswanderung der Familie aus Siebenbürgen hat sie in Marburg studiert und kennt das künstlerische Werk Otto Ubbelohdes seitdem. Sie freut sich darauf, September – Dezember 2022 in Goßfelden „eine vertraute Landschaft schreibend und zeichnend neu zu entdecken.“

Der Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen, gegründet von der Marburger Germanistin Erika Schellenberger, dem Schriftsteller Thomas Hettche und dem Kunstsammler Ludwig Rinn, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Region zwischen Lahn und Ohm, von der schon Rainer Maria Rilke schwärmte und in der Peter Kurzeck und Paulus Böhmer lebten, wieder stärker ins literarische Bewusstsein bringen. Bisherige Stipendiaten waren Marion Poschmann, Christoph Peters, Marcus Braun, Sandra Burkhardt und Olga Martynova. Texte, die in Goßfelden entstanden, sind 2020 unter dem Titel „Rabenbetrachtungen - Notizen aus dem Ubbelohde-Haus“ im Verlag „Das Wunderhorn“, Heidelberg, erschienen.

Literaturhaus unterwegs...: Lesung mit Wolfgang Büscher am 25. Oktober 2021 aus "Heimkehr"


Der Film zur Lesung: Matinée mit Olga Martynova


Zwei Raben: Literaturreihe im Herbst


Freuen Sie sich auf vier ganz unterschiedliche, aber auf ihre Weise besondere Lesungen an vier unterschiedlichen Orten.

11. September 2021 um 16 Uhr
Olga Martynova liest im Bienengarten des Ubbelohde-Hauses. In gewohnter Manier führt Thomas Hettche das Autorengespräch.

Es gilt der 3 G-Nachweis, um Anmeldung wird gebeten zweiraben@literaturinoberhessen.de.

29. September 2021 ab 18 Uhr
Esther Kinsky liest in Fronhausen im Garten des "Schenkschen Gutes".

25. Oktober 2021 um 19 Uhr
Wolfgang Büscher liest in der Alten Kirche in Cölbe-Bürgeln.

18. November 2021 um 19 Uhr
Lesung und Musik mit Wilhelm Stehling im Historischen Rathaussaal in Marburg.
Es gilt der 3 G-Nachweis, um Anmeldung wird gebeten zweiraben@literaturinoberhessen.de.


Weitere Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie unter der Rubrik Termine.

Rabenbetrachtungen - Notizen aus dem Ubbelohde-Haus


Sie sammeln seltene Pilze am Feldrand, baden Ende September noch in der Lahn, zeichnen abendlang japanische Teeschalen und arbeiten sehr zurückgezogen an ihren persönlichen Literaturprojekten. Die für jeweils drei Monate in das "Literaturhaus unterwegs: Autorenresidenz im Otto Ubbelohde-Haus" eingeladenen Schriftstellerinnen und Schriftsteller lassen dem Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen immer noch etwas Besonderes da, bevor sie wieder in die Metropole Berlin oder Frankfurt zurückkehren: Einen neuen Text, der durch den Aufenthalt am Künstlerort mit seinem unvergleichlichen Ausblick auf Kuhwiesen, Pappeln und Weiden angeregt wurde und sich literarisch mit dem Werk des Malers Otto Ubbelohde, dem Atelierhaus und seiner Landschaft befasst. Eine schöne Abmachung mit den Autorinnen und Autoren.

Erika Schellenberger, Gabriela Ociepa (Hg): Rabenbetrachtungen - Notizen aus dem Ubbelohde-Haus. Mit Beiträgen von Marion Poschmann, Christoph Peters, Marcus Braun und einem Nachwort von Thomas Hettche. Verlag Wunderhorn, Heidelberg, 48 Seiten, Klappenbrochur, EUR 18,00 (D), 18,50 (A)

​Literarischer Spaziergang mit Sandra Burkhardt


Der Aufenthalt von Sandra Burkhardt in der Autorenresidenz des Otto-Ubbelohde-Hauses ist beendet, sie reiste am 16. Juni wieder in Goßfelden ab.

Da Frau Burkhardt sich sehr für Rainer Maria Rilke interessiert, hatte Erika Schellenberger für Montag, den14. Juni zum Abschied im kleinen Kreis einen literarischen Spaziergang auf Rilkes Spuren in Marburg vorbereitet:

„Marburg …: schön und sorgfältig verteilt an seiner sommerlichen Anhöhe, …“

(R.M. Rilke an Gräfin Maron zu Solms am 28.07.1909)

Auf dem Weg von der Elisabethkirche zum Marburger Töpferhaus las Sandra Burkhardt ihr Gedicht „Ich liege wo im Kraut“.

Der Spaziergang mit Erläuterungen zu Rilkes Besuchen in Marburg und Gesprächen über Lyrik endete auf dem Marktplatz vor dem Rathaus.

Die Entdeckung der Sprache


Sandra Burkhardt und Erika Schellenberger-Diederich

Literarische Landpartie nach Goßfelden:

„Da oben im Geäst, da wohnt der Reim“ (Burkhardt)

Ein buchstäblich malerischer Ort, der Garten des Ubbelohde-Hauses in Goßfelden. Bot er doch schon häufiger den Rahmen literarischer Auseinandersetzungen mit dem Werk des Malers Otto Ubbelohde, so setzte die Lyrikerin Sandra Burkhardt einen neuen Höhepunkt.

Der Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen lud im Rahmen des von hr2 initiierten hessenweiten Aktionstages „Ein Tag für die Literatur und die Musik“ ein und über 80 erwartungsfrohe Gäste kamen (trotz strengster Corona Regeln), um bei schönstem Sommerwetter ihren Texten zu lauschen. Die Erste Vorsitzende Dr. Erika Schellenberger-Diederich stellte die aktuelle Stipendiatin des Vereins vor und betonte, wie beeindruckt die Jury von den eingereichten Proben Burkhardts war, weil sich die Autorin mutig vom modernen Paradigma der Verdichtung und Verknappung abwende und ihr Sprachgefühl in weit schwingenden, poetischen Bögen zeige. Weite Bögen schlägt Burkhardt auch bei ihren Spaziergängen um Goßfelden. Sie wolle nur kurz vor die Tür erzählte sie, um endlich nach zwei, drei Stunden wieder da zu sein. Das sei ein bisschen wie rauslaufen aus der Welt, zumindest für einen kleinen Moment.

Zunächst entführte Burkhardt ihre Leser literarisch in die Ferne. Aus ihrer Zeit in Rom hat sie das Gedicht „Walle, walle“ über den berühmten Trevi-Brunnen mitgebracht, das sie mit fester Stimme lautmalerisch vortrug.

Schellenberger-Diederich hob die Affinität der Autorin zur Stofflichkeit hervor. So wundert es nicht, dass sich Burkhardt als Motiv für ihre Annäherung an Ubbelohde, Wandteppiche und bestickte Tücher aussuchte, die von Hanna Ubbelohde, der Ehefrau des Malers, erdacht und gewebt wurden. Den in diesem Frühjahr entstandenen Text über die „Sieben Raben“, trug die Autorin erstmalig und sehr eindrücklich vor, während Ludwig Rinn das Motiv in den Bildteppichen zeigte, womit das Publikum in den Genuss von Bild und Text kam.

Die aus Lahntal stammende Bang-Haus Swing Combo umrahmte musikalisch mit bekannten Melodien aus der Welt des Jazz und Blues. Mit Führungen durch den Garten und Kaffee und Kuchen von den Gartenfeen wurde der Nachmittag abgerundet.

Um 19 Uhr las Marion Poschmann, erste Stipendiatin des Vereins Zwei Raben: Literatur in Oberhessen im Literarischen Zentrum in Gießen aus ihrem Text, der während des Aufenthaltes im Ubbelohde-Haus entstanden ist. Die Lesung fand online statt. Dr. Erika Schellenberger-Diederich und Sandra Burkhardt sprachen ein kurzes Grußwort.

Tag der Literatur: Stipendiaten-Lesung und Musik


Auf vielfachen Wunsch planen wir, eine Veranstaltung im Garten des Ubbelohde-Hauses durchzuführen. Wir berücksichtigen die geltenden Hygienemaßnahmen und bitten alle Teilnehmer herzlich um ihre Kontaktdaten und gegebenenfalls um die Vorlage eines (negativen) Coronatests.

Sonntag, 30. Mai 2021 um 14.30 – 17.00 Uhr, Garten, Eintritt frei (Spenden erbeten)

Sandra Burkhardt liest einen Text, der während ihres Aufenthalts im Frühling 2021 entstanden ist. Die Bang-Haus Swing Combo aus Lahntal umrahmt die Lesung im Garten des Ubbelohde-Hauses musikalisch. Der Verein „Zwei Raben“ stellt auch die Schriftenreihe „Rabenbetrachtungen – Notizen aus dem Ubbelohde-Haus" vor. Es gibt Führungen (Arbeitskreis und Gartenfeen des Ubbelohde-Hauses) – Kaffee und Kuchen stehen bereit. Die Lesung findet in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen statt, wo Marion Poschmann, Zwei-Raben-Stipendiatin des Jahres 2019, um 19.00 Uhr im KiZ liest

Eine Veranstaltung des Vereins Zwei Raben: Literatur in Oberhessen e.V. in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Gießen. Gefördert von der Gemeinde Lahntal und dem Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Der Film zur literarischen Soirée mit Marcus Braun


Am 19. September 2020 sprachen Marcus Braun und Thomas Hettche über Literatur, das Schreiben und über das Leben eines Schriftstellers. Der Film gibt einen Einblick über einen wunderbaren Nachmittag mit Literatur, Musik und Gesprächen danach.

Filmische Impressionen:

Literarische Soirée mit Marcus Braun im Garten des Ubbelohde-Hauses - YouTube

​Sandra Burkhardt ist in die Künstlerwohnung eingezogen


Autorin Sandra Burkhardt inmitten des Vorstandes

Eigentlich war der Empfang von Sandra Burkhardt, der vierten Stipendiatin des Vereins Zwei Raben, am 15.03. 2021 anders geplant: Die wegen der Coronabeschränkungen ausgefallene Abschiedslesung von Marcus Braun im Dezember 2020 sollte an diesem Tag nachgeholt werden und gleichzeitig die Stabübergabe an seine Nachfolgerin sein. Aber die Pandemie durchkreuzt leider noch immer die Planungen.

So haben wir Frau Burkhardt nur im kleinen Kreis begrüßt, am Bahnhof von Goßfelden wurde sie am Nachmittag von Frau Dr. Schellenberger und Karl Heinz Görmar abgeholt. Das Wetter hat mitgespielt, und die Schriftstellerin hatte Gelegenheit, auf der Wiese vor dem Otto-Ubbelohde-Haus mit Blick auf die vielen blühenden Schneeglöckchen und Krokusse einige Vereinsmitglieder bei einem Picknick auf Abstand kennenzulernen.

Sandra Burkhardt zeigte sich von der Künstlerwohnung sehr angetan: „Wow!“, sagte sie spontan. Sie freut sich auf ihre drei Monate in Goßfelden.

Sandra Burkhard: Literatur aus dem Ubbelohde-Haus


Aus: Hört in ausgestreuten Reimen (AT)

Ich liege quasi noch im Kraut, glaubt mir.
Ich schlage die Augen auf und die
Jahreszeit der leichten Bekleidung
raubt mir den Verstand. Ich singe:
Ach, was bin ich! Was war ich,
dass mein Pfeil nur die Wade traf!
Nur eine Bohne bin ich zu ihren Füßen.
Doch wer hat jemals von der Geburt
eines echten Mannes gehört?
Singend lindert sich das Lied,
doch trotz guter Absicht nähert sich ihr
mein Stift auch jetzt nicht. Was ist?
Ach nichts. Das Lied verwandelt dich:
Während der Zeit des ersten Zeitalters
war ich ein Lorbeer. Was ich tat,
als ich zum ersten Mal meine Haare
diese Welle machen sah, wo ich doch auf eine
Krone gehofft hatte, und die Füße, in denen ich steckte,
zu zwei Wurzeln wurden, die Arme zu Ästen:
Ich raschelte. Niemals zuvor schwieg meine Sprache.
Ich wusste weder, was es war, als ich es fand,
noch wo, doch als ich ankam, wo ich mir entzogen,
sprach ich im Klang des Schwans.
Während der Zeit des zweiten Zeitalters
schwamm ich am Ufer umher umher,
wollte reden, sang aber immer nur um Hilfe.
Einst hatte ich in sanften Tönen
verliebte Blicke erklingen lassen,
doch was war zu hören? Iiiiüüüh, Iiiiüüüh -
Kaum mehr, als diese Lady über mich zu sagen hätte.
Sie sprach zu mir: Sprich nicht davon,
von deiner Rede bleibt eh nur Überrest.
Als ob ich das nicht wüsste! Aber ich war
ein Sprichbrunnen und fand kein Ende.
Ach, lass mich doch ein Stein sein.
Während der Zeit des dritten Zeitalters
weinte ich, rollte, wenn ich mich bewegte,
stolperte und fiel. Da war sie wieder.
Ich starrte, weil die Sicht mich nicht befriedigte,
bis sie mich so ans Blickfeld gerichtet ansah,
dass es mich Kieselchen schüttelt. Ich rief:
Heb mich auf! Entsteine mich,
und wenn es mich meinen Un-Stein kostet!
Doch die Stimme war mir untersagt und so
schrie ich in Papier: Ich bin nicht meins, nein.
Es stimmt, Lied, dass ich mich dem eignen Bild entzogen
in eine undeutliche Spalte verwandeln spürte.
Mehr Dinge werden gedacht als noch
tausend Stifte nicht müde werden zu berichten,
doch auch das steht bereits andernorts.
Schweigend trennt sich der Dichter von seiner Hand

Das Gedicht entstammt aus einem längeren Zyklus und dem aktuellen Buchprojekt, an dem Sandra Burkhardt arbeitet. Es trägt den Arbeitstitel "Hört in ausgestreuten Reimen" und handelt sich dabei um "Übersetzungen" und Aneignungen von Gedichten aus Francesco Petrarcas Canzoniere.

​​Zwei Raben: Literatur in Oberhessen vergibt in 2021 Autorenstipendien an Olga Martynova und Sandra Burkhardt


„Wir sehen die Gegenwart gar nicht. Noch nicht.“ (Olga Martynova)

Der Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen vergibt in Kooperation mit der Ubbelohde-Stiftung in 2021 erneut zwei Aufenthaltsstipendien, diesmal an die Schriftstellerinnen Sandra Burkhardt (März-Juni) und Olga Martynova (September-Dezember). Die Autorinnen können sich auf jeweils drei Monate Leben und Arbeiten im Ubbelohde-Haus in Goßfelden bei Marburg freuen. Sie erhalten in der Zeit ein monatliches Salär von 2.500 €.

„Wir haben wieder knapp 80 Bewerbungen für das Autorenstipendium erhalten. Es waren Texte von hoher literarischer Qualität darunter, insofern fiel die Auswahl schwer. Aber ich freue mich, dass wir uns für eine so renommierte Autorin wie Olga Martynova und einen neu aufgehenden Stern am Lyrikhimmel, nämlich Sandra Burkhardt, entschieden haben und diese beiden Stipendien vergeben dürfen.“, sagte die Vorsitzende des Vereins Zwei Raben, Dr. Erika Schellenberger, nach der Entscheidung der Jury. Der Jury gehörten in diesem Jahr Ludwig Rinn, Dr. Erika Schellenberger, Dr. Gabriela Ociepa, Silke Scheuermann, Dr. Thomas Hettche und Prof. Dr. Klaus Reichert an:

In der Begründung der Jury heißt es:

Der auf Russisch wie auf Deutsch schreibenden Olga Martynova geht es um eine Durchdringung unserer komplexen Wirklichkeit aus der Kenntnis literarischer Traditionen heraus, die sie in ihrer Jugend in Petersburg erworben hat. Ihre Gedichte und Romane („Der Engelherd“, 2016) sind Versuchsanordnungen, die auf der Eigengesetzlichkeit eines poetischen Weltzugangs bestehen. Ihre Essays, die u.a. in FAZ, NZZ und DIE ZEIT erscheinen - zuletzt gesammelt: „Über die Dummheit der Stunde“ (2018) - sind so brillante wie streitbare Kommentare zur Gegenwart. Das neue Romanprojekt der Bachmann-Preisträgerin hat die Jury auf Anhieb überzeugt.

Sandra Burkhardt, geboren 1992, beeindruckte die Jury mit Gedichten zu Natur und Selbstfindung, die zeitgenössisch-drängende Themen und Fragestellungen behandelten und gleichzeitig von formaler Sicherheit zeugten. Insbesondere in ihrem Anspielen auf die Traditionen der Hymne wendet sich die Autorin mutig vom modernen Paradigma der poetischen Verdichtung und Verknappung ab und zeigt ihr Sprachgefühl in weit schwingenden, poetischen Bögen. Mit dem Stipendium für 2021 unterstützt der Verein Zwei Raben die junge Autorin, deren Debüt „wer A sagt“, 2018 im Verlag Gutleut in Frankfurt erschien, bei der Fertigstellung ihres zweiten Gedichtbandes.

Autorenstipendium vergeben an Marcus Braun


(c) Rabea Edel

Marcus Braun lebte und arbeitete vom 15.9. bis 15.12.2020 im Ubbelohde-Haus in Goßfelden.
Marcus Braun hat die Jury „durch sein halsbrecherisch virtuoses Erzählen beeindruckt. Sichtlich vom französischen Surrealismus und den Verfahren der Moderne geprägt, stellen seine Romane unsere Wahrnehmungen ebenso wie unsere Erwartungen auf die Probe. Seine Bücher richten ihren Blick auf uns Leser, so unverwandt, wie die Augen der Gorillas uns in seinen Bildern ansehen".

Marcus Braun, 1971 an der Mosel geboren, ist zunächst mit Theaterstücken, dann aber vor allem Romanen bekannt geworden, u.a. Delhi (1999), Nadiana (2000) und zuletzt Der letzte Buddha (2017). Seit 2015 arbeitet er auch als Maler.

​Literarische Soirée mit Iris Wolff


17.09.2022 um 16 Uhr im Bienengarten am Otto Ubbelohde-Haus, Otto-Ubbelohde-Weg 30, 35094 Lahntal

Moderiert wird in gewohnt launischer und kenntnisreicher Weise von Thomas Hettche

Musik: Tim Riemenschneider

Eintritt: frei

Wenn nur das Netz aus Straßen Bedeutung hatte, das
die Landkarte überzog, feine Gitterlinien, die ihn über
Flüsse und Berge trugen – und es war ihm allermal genug,
auch wenn sie ihn noch nie über eine Ländergrenze
hinweg getragen hatten.

Stipendiatin 2022: Iris Wolff, So tun, als ob es regnet.

Literatur und Natur


Schloss Friedelhausen

Zwei Raben: Literatur in Oberhessen möchte die Region zwischen Lahn und Ohm zurück ins literarische Bewusstsein bringen und mit einer Gegenwart kurzschließen, die von einer Sehnsucht nach dem Land geradezu infiziert ist. Denn diese Sehnsucht trifft in Oberhessen auf ihr eigene Historie.

Da wäre etwa Rainer Maria Rilke, der sein ganzes Leben die Erinnerung an die beiden Sommer bewahrt hat, die er 1905 und 1906 auf Schloss Friedelhausen bei Marburg verbrachte. Oder Otto Ubbelohde, der fünf Jahre zuvor in dem nahgelegenen Goßfelden das von ihm selbst entworfene Atelierhaus bezog. Der Marburger Maler entschloss sich zur Rückkehr in die heimatliche Landschaft, nachdem er in Worpswede gewesen war, wo sein Münchner Studienfreund Fritz Mackensen mit Otto Modersohn und Heinrich Vogler gerade die berühmte Künstlerkolonie gegründet hatte. Auch dort hätte er Rilke begegnen können, der, wie er selbst, fasziniert war von dem Versuch, die Städte hinter sich zu lassen und gemeinsam mit anderen Künstlern eine neue Lebensform zu erproben.

Heute richtet die Literatur ihren Blick wieder einmal wie neu auf die Natur. Bücher in der Tradition des natural writings werden zu Bestsellern, das Naturgedicht erfährt eine Renaissance, jene Fragen nach einem besseren Leben, wie sie schon Ubbelohde und Rilke beschäftigten, scheinen mit einem Mal aktueller denn je. Der Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen hat sich vorgenommen, diesen neu-alten Dialog zwischen Natur und Literatur zu befördern.

Autorenstipendium vergeben an Christoph Peters


(c) Luchterhand Verlag

Christoph Peters lebte und arbeitete vom 15.3. bis 15.6. 2020 im Ubbelohde-Haus.

Der Jury nach ist „Christoph Peters' Prosa von seinem besonderen Zugang zur bildenden Kunst beeinflusst. Geprägt vom Niederrhein und Joseph Beuys, nähert er sich allen Künsten, ob der Malerei oder asiatischer Keramik, mit der Frage nach den Valenzen von Sinn in den unterschiedlichen Kulturen. Wobei Peters selbst ein Wanderer zwischen den Kulturen ist, wie es wenige in der deutschen Literatur gibt. In einem katholischen Internat erzogen, vom Islam beeinflusst, offen für die Abstraktionen des Buddhismus, bilden seine Romane diese Suchbewegung auf ebenso welthaltige wie kluge Weise ab.“ Die Jury ist gespannt, welche Funde er auf seiner Expedition nach Oberhessen machen wird.

1966 in Kalkar am Niederrhein geboren, hat Christoph Peters in Karlsruhe Malerei studiert und gehört seit seinem Debüt, dem Erzählungsband Stadtlandfluß von 1999, zu den produktivsten deutschen Erzählern. Ausgezeichnet unter anderem mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Düsseldorfer Literaturpreis, dem Rheingau-Literaturpreis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Zuletzt erschien von ihm der Roman Das Jahr der Katze (2018).

Termine:


  • 24.11.2022 :
    Iris Wolf im Kunstmuseum: Bilderdialog „Wolkenstudie von Otto Ubbelohde“
  • 1.11.2022 :
    Literaturhaus unterwegs...: Marica Bodrožić liest aus „Die Arbeit der Vögel“
  • 17.9.2022 :
    ​Literarische Soirée mit Iris Wolff
  • 17.6.2022 :
    ​Liedermacher Fredrik Vahle stellt seine Autobiografie vor

Marion Poschmann:


Marion Poschmann, die in ihren Gedichte und Romanen immer wieder eine neue, höchst poetische und zugleich analytische Sprache für Natur findet, war die erste Stipendiatin im Ubbelohde-Haus und lebte und arbeitete von September bis November 2019 in Goßfelden.