Pressemitteilung
Der Verein „Zwei Raben: Literatur in Oberhessen“ vergibt 2026 seine beiden Autorenstipendien im Ubbelohde-Haus an Alina Herbing und Clementine Skorpil
Der Verein Zwei Raben: Literatur in Oberhessen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Region zwischen Lahn und Ohm, von der schon Rainer Maria Rilke schwärmte und in der Peter Kurzeck und Paulus Böhmer lebten, wieder stärker ins literarische Bewusstsein zu bringen. Mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Gemeinde Lahntal vergibt der Verein jährlich zwei dreimonatige Aufenthaltsstipendien.
Das Stipendium ist mit 7.500 Euro dotiert und stellt den Schriftstellerinnen und Schriftstellern eine Wohnung im ehemaligen Atelier- und Wohnhaus des Malers Otto Ubbelohde im Lahntal in Goßfelden bei Marburg zur Verfügung. Stipendiaten waren im Lauf der Jahre: Marion Poschmann, Marcus Braun, Christoph Peters, Sandra Burkhardt, Olga Martynova, Paul-Henri Campbell, Iris Wolff, Bettina Hartz, Norbert Hummelt, Franzobel, Andreas Schäfer, Ann Cotten und Carlotte Gneuß.
Texte, die in Goßfelden entstanden, sind in den beiden Bänden „Rabenbetrachtungen I und II im Verlag „Das Wunderhorn“ erschienen.
In diesem Jahr hat die Jury aus mehr als 70 Bewerbungen Alina Herbing und Clementine Sorpil ausgewählt. Der Jury gehörten, unter dem Vorsitz des Schriftstellers Thomas Hettche, die Autorin Alissa Walser, der Literaturkritiker Christoph Schröder, die Vereinsvorsitzende Erika Schellenberger und Ludwig Rinn an, Vorsitzender der Otto-Ubbelohde-Stiftung,
Aus der Begründung der Jury:
Clementine Skorpil ist Sinologin, Journalistin und Lektorin, lebt in Niederösterreich und schreibt an einem Roman, dessen Zauber die Jury nicht losgelassen hat. Gleichermaßen bunt und klug erzählt sie in „Die singenden Bäume“ eine Geschichte, die genauso im Heute wie im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, in China und Frankreich, zwischen Reise- und Liebesroman. Der englische Aufklärer David Hume kommt darin und der chinesische Kaiser Yongzheng, eine schottische Köchin namens Susan und der Musiker Wu. Und in allem wilden Fabulieren stellt der Roman jene eine Frage, die heute drängender scheint denn je: Was ist unsere westliche Aufklärung wert?
Alina Herbing geboren 1984 in Lübeck, hat mit „Rom, New York, Berlin“ ein Romanprojekt eingereicht, das die Jury in seiner Gegenwärtigkeit und mit seiner literarischen Raffinesse überzeugt hat. Erzählt wird von einem internationalen Paar, Ben und Marie. Er ist der Sohn einer jüdischen Familie in New York, sie Journalistin in Berlin. Im Sommer 2020, mitten in der Pandemie, entschließen sich die beiden, auf einer karibischen Insel zu heiraten, doch auf dem Weg dorthin strandet Marie in einem 5-Sterne-Ressort. Was sich an der Oberfläche liest wie ein Lifestyle-Text, ist in Wahrheit ein eleganter Text über eine Welt am Kipp-Punkt, über Machtverhältnisse und über eine Frau, deren Prägungen dafür sorgen, dass sie sich überall fremd fühlt.