Gespräch und Lesung mit Marcia Bodrožić
Marcia Bodrožić las in der Synagoge in Marburg aus ihrem Buch "Die Arbeit der Vögel".
Auf der Flucht vor den Deutschen gelangt Walter Benjamin im September 1940 auf einem alten Schmugglerpfad vom französischen Grenzort Banyuls-sur-Mer ins nordspanische Portbou. Tags darauf setzt er seinem Leben ein Ende. Acht Jahrzehnte später nimmt Marica Bodrožić den letzten Weg des großen deutschen Schriftstellers und Philosophen zum Anlass, um über unsere Zeit, die Komplexität von Lebensläufen und Identität, Freundschaft und Flucht nachzudenken. Für sie wird der Gang über die Pyrenäen zu einem luziden Denkweg, auf dem die Natur als synästhetisches Gefüge mitspricht.
Erika Schellenberger-Diederich führt und moderiert das Autorengespräch.
Der Weg durch die Pyrenäen: ein Weg von innen nach außen
Am 1. November las Marica Bodrožić vor mehr als 50 Besuchern in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Marburg aus ihrem Buch „Die Arbeit der Vögel. Seelenstenogramme“.
Die Autorin ist den Fluchtweg – heute ein ausgeschilderter Wanderweg – Walter Benjamins über die Pyrenäen acht Jahrzehnte später selbst gegangen und nimmt dies zum Anlass, um über Freundschaft, Flucht und Identität nachzudenken. Dabei ist ein vielschichtiges Buch entstanden, indem die äußere Bergwelt mit der inneren Landschaft des Denkens und Fühlens verschmilzt.
Erika Schellenberger moderierte die Lesung und führte nach dem ersten Teil ein interessantes Gespräch mit der Autorin. Bei den Zuhörern kam das gut an, hatte man doch so die Möglichkeit, das soeben Gehörte durch die im Dialog geäußerten zusätzlichen Gedanken und Erläuterungen zu vertiefen.
Dass die Lesung großen Anklang fand, zeigte sich auch an dem regen Besuch des Büchertischs der Buchhandlung Jakobi nach der Veranstaltung.
Herzlichen Dank an die Jüdische Gemeinde Marburg für die Unterstützung, vor allem an Hannelore Orbach. Frau Orbach hat in Vertretung ihres Ehemanns Amnon Orbach, dem Ehrenvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, zu Beginn über die Entstehung und Geschichte der neuen Synagoge in der Liebigstraße informiert, da viele der Anwesenden zum ersten Mal in diesem Gebäude waren.